Es ist eine ganze Weile her, dass ein Rookie-Quarterback in der National Football League sein erstes Playoff-Spiel gewinnen konnte, wenn sein Gegenüber zugleich kein Neuling war. Mark Sanchez gelang dies im Januar 2009 im Trikot der New York Jets beim 24:14 gegen die Cincinnati Bengals. Zehn Jahre später ist Sanchez selbst als Backup für die Washington Redskins zu schlecht, die Jets und Bengals haben sich früh aus dem Playoff-Rennen verabschiedet und beide Franchises haben nach einer weiteren enttäuschenden Saison den Head Coach vor die Tür gesetzt. Aber das sind andere Geschichten.
Auch Lamar Jackson konnte seinen ersten Auftritt in der Postseason nicht erfolgreich gestalten. Zu spät fanden der Rookie-Spielmacher und die Baltimore Ravens zu etwas, das allgemein hin als Rhythmus bezeichnet wird. Sieben Mal ging der seit Montag 22-Jährige im Wildcard-Game zu Boden, warf eine Interception und produzierte drei Fumbles, von denen einer durch die Los Angeles Chargers erobert wurde, die sich letztlich mit 23:17 in Baltimore durchsetzten. Bizarre Szenen spielten sich in der zweiten Hälfte der Begegnung auf den Rängen und an der Seitenlinie ab: Unter den Fans forderten einige den Einsatz von Veteran Joe Flacco anstelle Jacksons. Dieser saß während der ersten Angriffsserie der Chargers in eine dicke Jacke eingepackt auf der Bank – und Flacco, bis Mitte der aktuellen Saison noch der unumstrittene Starter auf der Quarterback-Position, wärmte sich auf.
Doch Cheftrainer John Harbaugh setzte weiter auf Lamar Jackson, den jüngsten Spielmacher, der jemals ein NFL-Playoff-Spiel absolvierte. Das vierte Quarter wird dem Coach Recht gegeben haben: Jackson drehte noch einmal auf, warf zwei Touchdown-Pässe. Schließlich reichte es jedoch nicht mehr für die Wende.
Ist Playoff-Erfahrung auf dieser ach so entscheidenden Position im American Football also doch ein hoch stechender Trumpf? Die Fakten lassen es vermuten: Auch die „Sophomores“, also Jacksons Kollegen, die ihre zweite Spielzeit bestreiten, mussten ihre Träume einer Reise nach Atlanta zum Super Bowl am 3. Februar früh begraben. DeShaun Watson unterlag mit den Houston Texans gegen die Indianapolis Colts, Mitch Trubisky verlor unglücklich mit den Chicago Bears gegen Titelverteidiger Philadelphia Eagles. Etwas mehr Erfahrung als dieses Trio hat Dak Prescott, der Spielmacher der Cowboys. Mit Dallas feierte Prescott seinen ersten Playoff-Sieg im dritten Karrierejahr gegen die Seattle Seahawks.
Folgt man diesen Gedanken, so müsste Patrick Mahomes als „Sophomore“ in seinem Playoff-Debüt in der Divisional Round mit den Kansas City Chiefs den Indianapolis Colts am kommenden Wochenende unterliegen – aber nicht jeder gibt etwas auf Statistiken, oder? Vor allem, wenn dieser Mahomes doch der (wahrscheinliche) MVP der Saison 2018 wird und in der regulären Saison 50 Touchdown-Pässe geworfen hat. Wobei…einen hab ich noch: Die meisten Playoff-Siege unter den acht noch im Rennen befindlichen Quarterbacks hat Mr. Tom Brady mit stolzen 27. Auf Rang zwei dieser acht Herren hinter der lebenden Legende der New England Patriots folgt Drew Brees von den New Orleans Saints. Nur mal so, um das einzuordnen mit der Erfahrung und so…
(Tobias Kemberg)