Der Unvollendete

Die Draft-Klasse von 2004 gilt bis heute als eine besondere. Sie brachte spätere Stars wie Nose Tackle Vince Wilfork (New England Patriots), Runningback Steven Jackson (St. Louis Rams) oder die lebende Wide-Receiver-Legende Larry Fitzgerald (Arizona Cardinals) hervor. Am meisten wird rückblickend aber über die Quarterbacks dieses Jahrgangs gesprochen. Eli Manning, Ben Roethlisberger und Philip Rivers. Die ersten beiden Spielmacher haben jeweils zwei Meisterschaften gewonnen. Manning mit den New York Giants, Roethlisberger mit den Pittsburgh Steelers. Rivers aber ist dies bislang nicht vergönnt gewesen.

Mittlerweile wird nicht nur in der National Football League das Jahr 2019 geschrieben. Viele Stars auf der Quarterback-Position sind nach dem 2004er-Trio gekommen – und sogar schon wieder gegangen. Manning, Roethlisberger und Rivers sind noch da. Bei allen dreien ist offen, wie lange sie noch in der NFL auf höchstem Niveau agieren können und wollen. Bei allen stellt sich die Frage, ob sie noch einmal eine Championship gewinnen können.

In dieser Saison hatte Rivers die besten Karten des Trios. Die Los Angeles Chargers, seit dem Draft-Day 2004 der Arbeitgeber des inzwischen 37-Jährigen, beendeten die reguläre Saison mit einer Bilanz von 12-4 und setzten sich in der Wildcard-Round bei den Baltimore Ravens durch. Doch am vergangenen Sonntag zerstörten die New England Patriots den Traum der Chargers und den Traum von Rivers. Das 28:41 aus Sicht der Kalifornier ließt sich sogar noch relativ erträglich, wenn man bedenkt, wie chancenlos die „Bolts“ waren. Bereits im zweiten Viertel (7:35) waren alle Messen gelesen.

Über die Gründe für das Chargers-Desaster in Foxborough lässt sich dezidiert analysieren und streiten – sei seien an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt. Festzuhalten ist: Es könnte die letzte Chance für Rivers gewesen sein, doch noch einen Championship-Ring zu ergattern. Beim Blick auf Tom Brady (New England) und Drew Brees (New Orleans) dürfen Anhänger der Chargers zwar guter Hoffnung sein, dass auch Rivers jenseits seines 40. Geburtstags noch die Bälle durch die NFL-Stadien schleudert. Aber Garantien gibt es in der NFL nicht. Wird die Defense auf dem Papier noch einmal so gut sein? Wird Rivers auf dem Papier künftig ebenso viel Talent um sich herum versammelt haben? Es gibt nicht Wenige, die sagen, Rivers fehle trotz seiner Beständigkeit und seiner guten Werte (4308 Yards, 32 Touchdowns) einfach das gewisse Etwas. Und so deutet immer mehr darauf hin, dass Rivers ohne Ring, aber dafür mit einem andere Titel seine Karriere beenden wird – egal, wann das ist. „Philip Rivers – der Unvollendete.“

 

(Tobias Kemberg)

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