Tom Brady – der personifizierte Superlativ

Angeführt vom größten Quarterback aller Zeiten gewinnen die Tampa Bay Buccaneers den 55. Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs. Beim 31:9 ist der 43-Jährige, der seinen insgesamt siebten Meistertitel feiert, mit drei Touchdown-Pässen wieder einmal der wertvollste Spieler.

Von Tobias Kemberg

Am Ende einer Football-Saison, in der so vieles anders ablief und sich fast alles anders anfühlte, gab es schließlich vertraute Bilder. Vom jubelnden Tom Brady, der seine Familie in die Arme schloss, der die Vince-Lombardi-Trophäe entgegennahm und der bei seinem insgesamt siebten Super-Bowl-Triumph zum fünften Mal als wertvollster Spieler ausgezeichnet wurde. „Ja, wir kommen wieder“, sagte der 43-Jährige. Denn von Gedanken an einen Rücktritt gibt es weiterhin keine Spur. Große Teile der Konkurrenz dürften diese Aussage mit einem Seufzen quittiert haben.

Mit 31:9 setzten sich die Tampa Bay Buccaneers im 55. Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs durch und feierten nach 2003 ihren zweiten Meistertitel in der National Football League. Neben der lebenden Quarterback-Legende glänzten im Finale vor allem Tight End Rob Gronkowski mit zwei gefangenen Touchdowns sowie die Abwehr der Gastgeber. Diese gewährte den bei den Buchmachern leicht favorisierten Chiefs keinen einzigen Touchdown.

Zwei Ballverluste und elf Strafen waren zu viel für den Titelverteidiger, der zum Ende des zweiten Viertels die Kontrolle über ein Spiel verlor, das nur selten dem im Vorfeld üblichen Hype gerecht wurde. Zu dominant waren Brady und die Buccaneers, zu schwach präsentierten sich die Chiefs, die sowohl in Bezug auf die Taktik als auch die Ausführung auf dem Spielfeld meilenweit unter dem Niveau blieben, das sie in den vergangenen beiden Saisons auszeichnete.

„So eine heftige Niederlage habe ich schon eine lange Zeit nicht mehr erlebt“, erklärte Star-Quarterback Patrick Mahomes, der das Generationenduell mit Brady klar verlor. Während der beste Spielmacher aller Zeiten 21 seiner 29 Passversuche an den Mann brachte und drei Touchdown-Pässe erzielte, blieb der 25-jährige Mahomes mit 26 kompletten Pässen bei 49 Versuchen und zwei Interceptions sowie keinem Touchdown blass. „Es war ein schlechter Tag, um einen schlechten Tag zu haben“, sagte Chiefs-Cheftrainer Andy Reid.

Acht Siege in Folge nach der Niederlage gegen die Chiefs im November

Auf der anderen Seite strahlte Brady in die Kameras. Der einst so schüchterne junge Mann vom College in Michigan, der 2000 beim alljährlichen Draft, bei dem die besten Talente der US-Universitäten ausgewählt werden, eigentlich schon durchs Raster gefallen war. Erst an Position 199 griffen die New England Patriots zu. 21 Jahre danach fügte der Beste aller Zeiten seinem imposanten Vermächtnis ein weiteres Kapitel hinzu. Eines, das es nach sechs Super-Bowl-Erfolgen mit den New England Patriots eigentlich nicht mehr gebraucht hätte.

Nach seinem Abschied im Frühjahr 2020 in New England stellten Fans und Experten die Frage, ob Brady auch ohne das Patriots-Superhirn Bill Belichick, der in Massachusetts Trainer und Manager in Personalunion ist, einen Titel holen kann. Brady nahm die mit einem Teamwechsel verbundenen Mühen auf sich. Er lernte seine neuen Mitspieler kennen, ein neues System, ein neues Umfeld. In einer Saison, in der für die Vorbereitung wichtige Elemente wie ein komplettes Trainingscamp und dauerhafte Übungseinheiten in voller Mannschaftsstärke aufgrund der Pandemie-Lage nicht möglich waren.

Als Tampa Bay am letzten Novembersonntag daheim gegen Kansas City unterlag, standen nach zwölf regulären Saisonspielen sieben Siege und fünf Niederlagen für die Buccaneers zu Buche. Zweifel wurden laut, ob das Projekt „Brady und die Bucs“ nicht doch scheitern würde. Brady und seine neuen Spielgefährten antworteten mit vier Siegen in Folge und dem Playoff-Einzug. In diesen besiegte Tampa Bay das Washington Football Team, die New Orleans Saints und die Green Bay Packers – allesamt auswärts. Die finalen Antworten auf die Fragen, ob er ohne Belichick gewinnen kann, ob er mit 43 Jahren immer noch gut genug ist und ob die Buccaneers mit den Verpflichtungen Bradys und anderer Topstars zu viel Risiko eingegangen waren, lieferte das Spiel in der Nacht zu Montag.

Brady und die Buccaneers gewannen in eindrucksvoller Manier. Und obwohl genau das für Football-Fans in aller Welt nichts Neues ist, so erstaunen die Leistungen des größten Quarterbacks aller Zeiten doch immer wieder. Die von Thomas Edward Patrick Brady Junior, dem personifizierten Superlativ. Einem Besessenen der positiven Art. Einem, der es liebt, Teil eines Teams zu sein, der den Wettkampf liebt. Und der das Gewinnen liebt.

Hinterlasse einen Kommentar